Artists

2022

 

2022

Artists

2022

Preisträgerinnen des RUNDGANG 50HERTZ im Jahr 2022 sind:

Clara Alisch, Lisa Hoffmann, Steph Joyce – Sie wurden von einer Jury ausgewählt.

Der RUNDGANG 50HERTZ 2021/22 stand unter dem Motto «Crossover von Kunst und Wissen»: Zu welchen neuen Formen des Erkennens im Bereich des Ästhetischen führt eine Verzahnung der Künste mit Wissenschaften oder handwerklichen Praktiken? In welchem Verhältnis stehen analytische Reflexion und praktisches Handeln? Fragestellungen dieser Art bestimmen die Diskussion, die seit den 1990er-Jahren unter den Begriffen «künstlerische Forschung» oder «Kunst und Epistemologie» an verschiedenen Kunsthochschulen in Europa unterschiedlich intensiv geführt wird. In der Debatte schwingt stets die Frage nach der An- oder Aberkennung des epistemologischen Gehalts der Künste sowie die Möglichkeit, diesen nachzuweisen, mit. Wir möchten die Notwendigkeit dieser Diskussion aus der gegenwärtigen Situation der Künste heraus mit dem Call thematisieren.

The prizewinners of the RUNDGANG 50HERTZ in 2022 are:
Clara Alisch, Lisa Hoffmann, Steph Joyce – They were selected by a jury.

The theme of RUNDGANG 50HERTZ 2021/22 was „Crossover of art and knowledge“: To what new forms of cognition in aesthetics does linking the arts with sciences or artisanal practices lead? What is the relationship between analytical reflection and practical action? Questions of this type have been dominating the discussion conducted at various arts academies in Europe since the 1990s with varying intensity under the terms “artistic research” or “art and epistemology”. In the debate, the question always resonates about the recognition or denial of the epistemological content of the arts, as well as the possibility to prove it. With the call, we would like to broach the necessity in this discussion arising from the current situation of the arts.

CLARA ALISCH

CLARA ALISCH

Clara Alisch (* 1986 in Münster) thematisiert in ihrer Videoinstallation Lactoland (2021) die verklärte Vorstellung, die mit dem Stillen an der Brust und dem damit verknüpften Mutterbild verbunden ist. Es geht um reproduktive Arbeit (care work), die traditionell von Frauen im Bereich des Häuslichen geleistet und weder entlohnt noch von der Gesellschaft anerkannt wird. Hier kommt der Cyborg ins Spiel, ein Mischwesen aus Mensch und Maschine. Dieses wird zum Protagonisten einer von Alisch entworfenen Szenerie, in der es Milch durch Abpumpen zur Verfügung stellt. Vermittels zahlreicher prothesenähnlicher Utensilien wird die Milch zu Bonbons verarbeitet. So entsteht ein doppelter Mehrwert: Das «Stillen» verwandelt sich in das Produzieren von Milch und transformiert das Verlustnarrativ – welches mit dem Ideal der Mutterbrust und dem gestillten Kind einhergeht – in die Erzählung von einer wertschöpfenden Arbeit. Dies kommt dem neuen Ideal einer Transgender-Welt näher.

In her video installation Lactoland (2021), Clara Alisch (born in 1986 in Münster) addresses the romanticised notion linked with breastfeeding and the associated image of the mother. It’s about care work, which is traditionally done by women in the domestic sphere and is neither remunerated nor recognised by society. The cyborg—a hybrid being made up of human and machine—is brought into play here. It becomes the protagonist of a setting designed by Alisch in which it makes milk available by expressing it. By using numerous prosthesis-like utensils, the milk is made into bonbons. This results in adding value twice: “breastfeeding” is turned into the production of milk, transforming the narrative of loss—which accompanies the ideal of the mother’s breast and the breastfed baby—into a tale of work that adds value. This comes closer to the new ideal of a transgender world.

LISA HOFFMANN

LISA HOFFMANN

Screentesting: ( ghosts are made of bedsheets ), eine ebenfalls 2021 entstandene Videoinstallation, zeigt teils verzerrte und geisterhafte Bilder, die Lisa Hoffmann (geb. 1991 in Schlema) in einer Videoperformance in häuslicher Umgebung aufgenommen hat; sie werden auf Bioscreens projiziert. Diese Projektionsflächen bestehen aus von der Künstlerin hergestelltem kompostierbarem, gelatinebasiertem Bioplastik, ein Material, das sich im Laufe der Zeit nach und nach auflöst. In der Installation wird das Verhältnis zwischen dem technisch projizierten Bild und der organischen Projektionsfläche je nach Blickwinkel immer sonderbarer.

Screentesting: ( ghosts are made of bedsheets ), a video installation also produced in 2021, shows partially distorted and spectral images that Lisa Hoffmann (born in 1991 in Schlema) recorded in a video performance in a domestic environment; they are projected onto bioscreens. These projection surfaces consist of bioplastic manufactured by the artist that is compostable and gelatine-based; this is a material that gradually dissolves over time. In the installation the relationship between the technically projected image and the organic projection surface becomes, depending on the angle it is viewed from, ever stranger.

STEPH JOYCE

STEPH JOYCE

Die Videoinstallation Crow Calls Twice (2021) von Steph Joyce ist das Ergebnis einer monatelangen Erforschung der Beziehungen zwischen Menschen und Krähen aus verschiedenen Blickwinkeln. In ihrem filmischen Porträt würdigt Joyce die uns allgegenwärtigen Krähen, indem gezeigt wird, wie sich die Tiere in der von Menschen angelegten «Natur» adaptieren. Welche Formen der Begegnung sich ergeben und möglich sind, wird erst in der genauen Beobachtung offenbar. Seien es die Rufe der Krähen oder ihre Futtersuche im vom Menschen Verworfenen – überall gibt es Berührungspunkte, wenn man ihnen nur achtsam begegnet.

Steph Joyce’s video installation Crow Calls Twice (2021) is the result of months of researching the relationships between humans and crows from a range of perspectives. In her film portrait, Joyce appreciates crows, which are ubiquitous in our lives, by showing how the animals adapt in “nature” that has been shaped by people. The forms of encounter that result and are possible become apparent only upon careful observation. Whether it’s the crows’ cawing or their foraging for food in what humans have discarded—points of contact are everywhere if you just encounter them mindfully.


Archiv

Archive

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2021

2021

2021

Preisträgerinnen des RUNDGANG 50HERTZ im Jahr 2021 sind:
Paula Ábalos, Elena Greta Falcini und Annabel Häfner – Sie wurden aus 300 Bewerbungen von einer Jury ausgewählt.

Das Thema des diesjährigen RUNDGANG 50HERTZ lautet: Kunst studieren im Lockdown. Was passiert, wenn sich eigentlich nichts mehr ereignet und sich das soziale Leben ausschließlich in den Bereich des Virtuellen verlagert? Wie können Künstler*innen dieses Vakuum kreativ nutzen und wie wirken sich die einschränkenden Maßnahmen konkret auf die künstlerische Arbeit aus? Diese Fragen, die in den vergangenen Monaten mit der Schließung von Ateliers, Werkstätten und Hochschulen das Leben von Kunststudierenden gravierend geprägt haben, sind Ausgangspunkt des Rundgang 50Hertz, für den die Jury Paula Ábalos, Elena Greta Falcini und Annabel Häfner auswählte.

The prizewinners of the RUNDGANG 50HERTZ in 2021 are:
Paula Ábalos, Elena Greta Falcini and Annabel Häfner – They were selected by a jury from 300 applications.

The theme of this year’s RUNDGANG 50HERTZ is: studying art during lockdown. What happens when nothing more is actually happening and social life shifts exclusively into the virtual realm? How can artists make creative use of this vacuum, and how do the restrictive measures concretely impact their artistic work? These questions, which, with the closing of studios, workshops, and art academies in the past months, have significantly marked the lives of art students, are the point of departure for Rundgang 50Hertz, for which the jury chose Paula Ábalos, Elena Greta Falcini and Annabel Häfner.

PAULA ÁBALOS

PAULA ÁBALOS

In der Filmarbeit von Paula Ábalos (* 1989 in Santiago de Chile) geht es um eine Arbeitskraft, die nachts einsam und allein ein Fitnessstudio reinigt. Grossformatige Fotografien an den Wänden zeigen die Ergebnisse der zur Optimierung des Körpers bereitgestellten Geräte. Allgewaltig kontrastieren Idealbilder trainierter Körper von totalitärem Ausmass die einzig real anwesende Person im Raum, deren Erschöpfung mit der Reinigung eines jeden Gerätes zunimmt. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Ebenen – zwischen abwesendem Idealbild und anwesendem Realbild – wird im Verlaufe der Nacht immer sonderbarer.

Paula Ábalos’ (born in 1989 in Santiago de Chile) film project is about a worker cleaning a fitness studio at night, solitary and alone. Large-scale photographs on the walls show the results of the machinery provided for optimising the body. Omnipotently, ideal images of trained bodies of totalitarian proportions contrast with the sole person truly present in the room, whose exhaustion increases with the cleaning of each machine. The relationship between these two levels – between absent ideal image and present real image – becomes ever more peculiar in the course of the night.

ELENA GRETA FALCINI

ELENA GRETA FALCINI

Elena Greta Falcini (* 1986 in Eggenfelden) ist fasziniert von der Alchemie. Sie erforscht und erfindet unterschiedliche Materialien, die sie nachts aus geheimnisvollen Ingredienzien in ihrem Atelier zusammenbraut. Dieser Schaffensprozess wird begleitet von Fragen wie: Was ist Material? Wie zeigt es sich? Ist es autonom? Getrieben von einem Erkenntnisinteresse nach den Bedingungen der Entstehung und Beschaffenheit von Materialität an sich geht Falcini den Dingen auf den Grund. Sie beauftragt ein Forschungsinstitut, das von ihr erfundene Material zu entschlüsseln und in eine wissenschaftliche Formel zu übersetzen. Das laborähnliche Setting dieser Erkundung ist genauso Teil ihrer Installation, wie ihre von den Experimenten gezeichneten Arbeitsschuhe.

Elena Greta Falcini (born in 1986 in Eggenfelden) is fascinated by alchemy. She researches and invents various materials that she concocts at night in her studio out of mysterious ingredients. This creative process is accompanied by questions like: What is material? How does it arise? Is it autonomous? Driven by an epistemological interest in the conditions of the origin and properties of materiality per se, Falcini gets to the bottom of things. She engages a research institute to decipher the material she has invented and translate it into a scientific formula. The laboratory-like setting of this exploration is just as much part of her installation as her working shoes, which are marked by the experiments.

ANNABELL HÄFNER

ANNABELL HÄFNER

Annabell Häfner (* 1993 in Bonn) malt «Nicht-Orte». Der französische Ethnologe und Anthropologe Marc Augé hat 1992 ein Buch mit demselben Titel über dieses in einer globalisierten Welt aufscheinende Phänomen verfasst. «Nicht-Orte» sind anonyme Orte, ohne individuelle Identität, die Menschen nur kurz passieren. Hier entstehen keine sozialen Beziehungen, es sind gleichförmige Orte, an denen man nicht selten auf sich selbst zurückgeworfen wird. Von diesen sogenannten Transiträumen (dazu zählen Bahnhöfe, Flughäfen, Raststellen, Einkaufszentren etc.) wählt Annabell Häfner Hotelzimmer aus. Sie übersetzt den Charakter der sogenannten «Nicht-Orte» in ihre Malweise. Flüchtigkeit und Geschwindigkeit bestimmen den Duktus. Schicht für Schicht entfernt sie sich immer mehr vom Motiv des Hotelzimmers. Auf diese Weise entstehen atmosphärische Farb-Orte.

Annabell Häfner (born in 1993 in Bonn) paints “non-places”. The French ethnologist and anthropologist Marc Augé published a book of the same title in 1992 about this phenomenon that occurs in a globalised world. “Non-places” are anonymous places, places without individual identity that people pass through just briefly. No social relationships develop here; they are uniform places where one is thrown back on oneself. From among these so-called transit spaces (which include train stations, airports, rest stops, shopping centres, etc.) Annabell Häfner selects hotel rooms. She translates the character of the so-called “non-places” into her painting style. Ephemerality and speed define the characteristic style. Layer by layer, she distances herself ever more from the motif of the hotel room. In this way, atmospheric colour places emerge.

2019

2019

2019

Adrian Altintas, Cora Czarnecki, Thomas Mader

Adrian Altintas, Cora Czarnecki, Thomas Mader

2018

2018

2018

Ana Belén Cantoni, Judith Dorothea Gerke, Timo Hinze

Ana Belén Cantoni, Judith Dorothea Gerke, Timo Hinze

2017

2017

2017

Emma Adler, Asana Fujikawa, Susanne Keichel, Cosima zu Knyphausen

Emma Adler, Asana Fujikawa, Susanne Keichel, Cosima zu Knyphausen

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